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Jan-Christoph Gockel

Regisseur und künstlerische Leitung peaches&rooster

Jan-Christoph Gockel, geboren 1982, aufgewachsen bei Kaiserslautern, studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Frankfurt/Main u.a. bei Hans-Thies Lehmann sowie Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Sein Studium schloss er 2009 mit der Uraufführung von Nina Enders DIE WISSENDEN an der Schaubühne am Lehninerplatz, Berlin ab. Seit 2007 arbeitet er als freier Regisseur.

Im Zentrum seiner Inszenierungen stehen meist politische Fragestellungen. Wie kaum ein anderer Regisseur verbindet er dabei Politik mit Poesie: Oft treffen daher in seinen Arbeiten Puppen, Schauspieler*innen, Musik und dokumentarisches Material aufeinander. Die Texte entwickelt er häufig selbst wie beispielsweise bei GRIMM. EIN DEUTSCHES MÄRCHEN, RAMSTEIN AIRBASE: GAME OF DRONES, ICH BEREUE NICHTS (über das Leben Edward Snowdens) und DER SIEBTE KONTINENT – REISE ZUR GRÖSSTEN MÜLLDEPONIE DER ERDE .

»Text, Musik, Ton und Film verbinden sich bei Gockel zu kraftvollen, intelligenten und amüsanten Collagen, die die vierte Wand aufbrechen. Seine Inszenierungen sind wuchtige Performances des Hier und Jetzt. Hinter aller Neuerung sind es das Zusammenbringen von Menschen und das Erzählen von Geschichten, die archaische Grundfaszination des Theaters, die ihn antreiben.« Theater der Zeit

Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten künstlerischer Zusammenarbeit entwickelt Gockel innovative, hybride, internationale Theater- und Filmformate wie zuletzt für WIR SCHWARZEN MÜSSEN ZUSAMMENHALTEN (2021). Die Koproduktion der Münchner Kammerspiele mit dem Goetheinstitut Lomé beschäftigt sich mit bayerisch-togoischer Kolonialgeschichte und globaler Gleichzeitigkeit: gespielt wird gleichzeitig in Togo und München – man kann den Theaterabend sowohl im Theater als auch live über Online-Stream verfolgen. Bereits seit 2013 beschäftigt sich Jan-Christoph Gockel intensiv mit dem afrikanischen Kontinent. Das Verhältnis Europas zu den ehemaligen Kolonien, die Auswirkungen des Kolonialismus und wirtschaftliche Abhängigkeiten wurden zum Thema von KONGO-MÜLLER, HERZ DER FINSTERNIS, DER AUFTRAG: DANTONS TOD und COLTAN-FIEBER, dessen Premiere 2014 in Ouagadougou, Burkina Faso stattfand. Im Anschluss tourte das Ensemble mit Schauspielern aus dem Kongo, Belgien, Deutschland und Haiti in der DR Kongo, Kongo-Brazzaville, Deutschland und Österreich. Zusammen mit Laurenz Leky verfasste Jan-Christoph Gockel in diesem Zusammenhang ein MANIFEST FÜR EIN REISETHEATER. Weitere Recherchereisen führten Gockel und sein Team u.a. in den Kongo, nach Ruanda, Washington, Hawaii und 2018 wiederum nach Burkina Faso, wo neben dem Theaterabend DIE REVOLUTION FRISST IHRE KINDER! auch Gockels gleichnamiger erster Spielfilm entstand, der im Rahmen der Viennale 2020 zur Premiere kam.

Außerdem bearbeitete Jan-Christoph Gockel  auch zahlreiche Romane für die Bühne, u.a. IMPERIUM und ICH WERDE HIER SEIN IM SONNENSCHEIN UND SCHATTEN von Christian Kracht, ÖL! von Upton Sinclair, DER TALENTIERTE MR. RIPLEY von Patricia Highsmith, DAS EIS von Vladimir Sorokin und DER UNTERTAN von Heinrich Mann.

Seine Arbeiten wurden für den Nestroy-Theaterpreis nominiert (2010, 2016, 2017, 2019), den er 2017 für DER AUFTRAG: DANTONS TOD und 2019 für DIE REVOLUTION FRISST IHRE KINDER! gewann. Einladungen führten seine Inszenierungen zum Heidelberger Stückemarkt, zu den Mülheimer Theatertagen und zu den Autorentheatertagen des Deutschen Theaters Berlin (2011, 2016, 2019).

Von 2014 bis 2020 war Jan-Christoph Gockel als Hausregisseur Teil der künstlerischen Leitung am Staatstheater Mainz, wo er u.a. DIE RATTEN, MACBETH, DIE NIBELUNGEN sowie die ZDF/3Sat-Fernsehproduktion BEETHOVEN – EIN GEISTERSPIEL inszenierte – immer gemeinsam mit Michael Pietsch. Die beiden verbindet seit ihrer gemeinsam verbrachten Jugend eine intensive Arbeitsbeziehung. Zusammen gastierten sie u.a. am Schauspielhaus Graz, Staatsschauspiel Dresden, Schauspielhaus Bochum und Schauspiel Frankfurt. Gemeinsam haben sie ihre eigene Theatersprache entwickelt und 2017 ihre eigene Kompanie gegründet: peaches&rooster.

Seit der Spielzeit 2020/21 ist Gockel Teil der künstlerischen Leitung der Münchner Kammerspiele.

Jan-Christoph Gockel wird von schaefersphilippen vertreten, wo auch seine Texte verlegt werden: http://www.schaefersphilippen.de/index.php?id=279

 

Produktionen Spielzeit 2020/21

ÖL! | nach dem Roman von Upton Sinclair, für die Bühne bearbeitet von Jan-Christoph Gockel | Schauspiel Frankfurt  | Premiere: 16. September 2021

EURE PALÄSTE SIND LEER (ALL WE EVER WANTED) | von Thomas Köck | Münchner Kammerspiele | Premiere: 13. November 2021

GRIMM – EIN DEUTSCHES MÄRCHEN | ein Theaterprojekt nach den Brüdern Grimm von Jan-Christoph Gockel & David Schliesing | Übernahme der Uraufführung des Staatstheaters Mainz | Premiere: 04. Dezember 2021

WER IMMER HOFFT, STIRBT SINGEND –  REPARATUR EINER REVUE NACH GESCHICHTEN UND MOTIVEN VON ALEXANDER KLUGE | Münchner Kammerspiele | Premiere: 12. März 2022

Fotos: Andreas Etter | Konstantin Ligum

Aktuelle Produktionen (rooster without peaches)

Kongo! Eine Postkolonie

Theater im Bauturm Köln | 2018

Amok!

Theater Oberhausen | 2011

Psychiatrie!

2010