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Michael Pietsch

Schauspieler, Puppenbauer, Puppenspieler

Michael Pietsch, geboren 1984, ist Schauspieler, Puppenbauer und –spieler.

Schauspiel

Michael Pietsch absolvierte sein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig (Abschluss 2008) und stand während des Studiums am Schauspiel Leipzig auf der Bühne. Es folgte ein dreijähriges Festengagement am Staatstheater Oldenburg, wo er 2010 den Baal in einer Inszenierung von Jan-Christoph Gockel spielte. Für seine Rolle als Franz Moor in einer Inszenierung von Volker Lösch am Theater Bremen wurde er von Theater heute als Nachwuchsschauspieler des Jahres nominiert. Von 2014 bis 2020 war Michael Pietsch festes Ensemblemitglied am Staatstheater Mainz, wo er zuletzt als Schauspieler und Puppenspieler in DIE RATTEN, GRIMM, MACBETH, PINOCCHIO und DIE NIBELUNGEN auf der Bühne stand, alles Inszenierungen von Jan-Christoph Gockel. Er gastierte u. a. am Schauspielhaus Bochum, an der Oper Zürich, der Oper Mannheim, dem Schauspiel Frankfurt, dem Schauspielhaus Graz, dem Théâtre National Wallonie-Bruxelles, dem Staatsschauspiel Stuttgart und dem Staatsschauspiel Dresden. Die internationale Produktion COLTAN-FIEBER führte Jan-Christoph Gockel und ihn u. a. auf Festivals in Kinshasa, Köln und Graz sowie auf Gastspielreise durch NRW; DER SIEBTE KONTINENT – ein Projekt über Plastik – auf Recherchereise nach Hawaii. Für die Produktion DIE REVOLUTION FRISST IHRE KINDER! reiste Pietsch im Herbst 2018 gemeinsam mit Jan-Christoph Gockel und Team nach Burkina Faso, wo sie sich auf die Spuren der burkinischen Revolution von 2014 begaben. Auf ihrer Reise entstanden sowohl ein Spielfilm als auch ein Theaterabend. Für den Theaterabend DIE REVOLUTION FRISST IHRE KINDER! erhielten sie den Nestroy-Theaterpreis (2019), der gleichnamige Film (eine Produktion des Schauspielhaus Graz, AT/Burkina Faso, 73 min) kommt im Rahmen der Viennale 2020 zur Premiere.

Am Schauspielhaus Graz spielte Michael Pietsch außerdem den Merlin in Dorsts MERLIN ODER DAS WÜSTE LAND (2015) sowie Danton in DER AUFTRAG: DANTONS TOD (2017). Für diese Arbeit wurde die Produktion mit dem Nestroy-Theaterpreis für Beste Bundesländeraufführung ausgezeichnet. Im Auftrag der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz entwarf und baute Pietsch für den Staatsakt zum Tag der deutschen Einheit 2017 eine Figur – den Vater Rhein – und spielte diesen in einer Szene gemeinsam mit Caroline Peters live auf der Bühne.

Ab der Spielzeit 2020/21 ist Michael Pietsch festes Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele.

Puppenbau

Seit seinem 5. Lebensjahr beschäftigt sich Pietsch mit dem Bau von Puppen. Er beschreitet dabei innovative Wege – definiert die Grenzen des traditionellen Puppentheaters neu. Eine langjährige Arbeitsbeziehung verbindet ihn mit dem Regisseur Jan-Christoph Gockel. Gemeinsam haben die beiden ihre eigene Theatersprache gefunden – an der Schnittstelle von Schauspiel und Puppentheater – mit ihrer Kompanie peaches&rooster. Durch die Arbeit auf Theaterbühnen ist Pietsch mit der Konstruktion seiner Figuren nicht an kleine Puppenbühnen gebunden. Das erlaubt ihm, in anderen Dimensionen zu denken – seine Figuren mit 6m langen Fäden zu versehen und sie aus der Luft zu steuern, sie in Flammen zu setzen oder in einem Wasserbecken schwimmen zu lassen. Seine „Kernkompetenz“ ist die aus Holz geschnitzte Marionette, jedoch experimentiert er auch gerne mit einer Vielzahl anderer Materialien, seien es Schaumstoffe, Silikone, Kunstharze, tote Tiere oder Knochen – wie zuletzt für die Produktion MOBY DICK am Staatsschauspiel Stuttgart. Für FRANKENSTEIN, eine Arbeit am Théâtre National Wallonie-Bruxelles, hat er gemeinsam mit Julia Kurzweg eine 7m große Marionette aus Objekten verstorbener Menschen gebaut – das Monster gewann den Prix de la Critique, den belgischen Theaterpreis, in der Kategorie Création artistique et technique.

 

Spielzeit 2020/2021

2020/21 spielt und baut Pietsch Puppen für die Produktionen EINE JUGEND IN DEUTSCHLAND (Münchner Kammerspiele | Premiere: 16. Oktober 2020) und „WIR SCHWARZEN MÜSSEN ZUSAMMENHALTEN“ – EINE ERWIDERUNG“ (Münchner Kammerspiele | Premiere: n.n.)

Foto: Andreas Etter